wohnanlage wienerberg
informationen text

bauträger: buwog, gemeinnützige wohnungsgesellschaft für bundesbedienstete
dr. gerhard schuster, geschäftsführung
di peter toth, projektleitung
ing. peter lan, örtliche bauaufsicht
architekten: günter lautner featuring nicolaj kirisits
mitarbeiterinnen: michaela pammer, wolfgang prader, markus berger, arzu atmaca
ökologie & hhaustechnik: ökosystems, di henryk czaja
freiraumplanung: plansinn, di bettina wanschura, di erik meinharter
statik: dingre novotny&bauer (vorstatik), di karl straka
generalunternehmer: fa. ast, ing. johann brunner, franz frießnegg
modellbau: atelier kerbler
visualisierung: schreiner & kastler
kunst: matt mullican "25 gardens"
fotos: manfred seidl, michaela pammer

motto: "hängende gärten"
das bebauungskonzept sieht zwei deutlich unterschiedlich strukturierte wohnformen vor: der gebäudesockel birgt eingeschoßige laubengangwohnungen, deren wohn- und individualräume nahezu ausschließlich nach osten, westen und sügen gerichtet sind. die wohnungen erhalten über die höfe eine zusätzliche belichtung. das luftgeschoß wird zur gänze für die "hängenden gärten", ein fülr alle bewohner zugänglicher freiraum im vertikalen zentrum des gebäudes, genutzt. auf den stützen des luftgeschoßes ruhen meist zweigeschoßige reihenhausgruppen, die eine überlagerte zweite geometrische ordnung der bebauung bilden. durch die drehung der beiden systeme entstehen räumlich komplexe innen- und außenräume, deren raumvariationen erst beim durchschreiten der anlage erlebbar wird. die skulpturale form mit ihren vielfältigen ebenen - höfen - durchblicken -aussichtspunkten - gärten - vermittelt ein komplexes räumliches angebot. die idee des projekts ist es, einen zentralen grünraum im gebäude anzulegen, der die unterschiedlichen strukturen - geschoßwohnungen und reihenhäuser - verbindet. im gesamten 4. obergeschoß wird ein dachgarten angelegt. von hier hat man einen großartigen ausblick in das südliche wiener becken. im sommer stehen die zonen unter den reihenhäusern als schattenspender zur verfügung. offene berdachte bereiche erzeugen vielfältige lichtsituationen. dieses luftgeschoß eröffnet zahlreiche aktivitätszonen und nutzungsmöglichkeiten.

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101 wohnungen (42 eigentumswohnungen, 59 mietwohnungen mit kaufoption von 35 bis 107 m2)
4 büros, 115 garagenstellplätze
gemeinschaftseinrichtungen: saal (eg), wintergarten (4.og), 2.400m2 dachgarten - "hängende gärten"(4.og)
planung & umsetzung: wettbewerb 8/1999
einreichung 11/2000
baubeginn 11/2001
fertigstellung 8/2003



städtebauliches konzept

das städtebauliche konzept baut auf die definitive grundlage des bebauungsplanes auf und berücksichtigt besonders die durchlässigkeit in nord-süd-richtung zum erholungsgebiet. eine fußläufige verbindung an der westseite wird zusätzlich vorgeschlagen. die durchwegung – mit halböffentlichem charakter - des quartiers sowohl in n/s als auch w/o-richtung wird durch die offene struktur des erdgeschoßes ermöglicht. topografische situation.
das grundstück ist charakterisiert durch die hochhausgruppe im norden, der bestehenden bebauung im osten und der geplanten bebauung im westen und der offenen front nach süden zum erholungsgebiet. die problematische lage in einer mulde – die angrenzenden grundstücke im osten und süden liegen um mehr als 2 m höher – wird durch das anheben des künftigen niveaus um 2,5m egalisiert.

bebauung

das bebauungskonzept sieht zwei deutlich unterschiedlich strukturierte wohnformen vor: der gebäudesockel birgt eingeschoßige laubengangwohnungen, deren wohn- und individualräume nahezu ausschließlich nach osten, westen und süden gerichtet sind. die wohnungen erhalten über die höfe eine zusätzliche belichtung. das luftgeschoß wird zur gänze für die „hängenden gärten“, ein für alle bewohner zugänglicher freiraum im vertikalen zentrum des gebäudes, genutzt.
auf den stützen des luftgeschoßes ruhen meist zweigeschoßige reihenhausgruppen, die eine überlagerte zweite geometrische ordnung der bebauung bilden. durch die drehung der beiden systeme entstehen räumlich komplexe innen- und außenräume, deren raumvariationen erst beim durchschreiten der anlage erlebbar wird.
die skulpturale form mit ihren vielfältigen ebenen – höfen – durchblicken –aussichtspunkten – gärten – vermittelt ein komplexes räumliches angebot.

bauhöhe

um dem luftgeschoß „hängenden gärten“ eine ausreichende höhe zu geben, wird für die gebäudehöhe die zulässige erhöhung um 1,5 m in anspruch genommen. die fünf hauptgeschoße und das ausgebaute dachgeschoß entsprechen der bauklasse III. alle bauordnungsrelevanten maßnahmen erfolgten in abstimmung mit der ma 35.

garage

durch das höherlegen des bezugsniveaus (null-niveau) um 2,5 m ist die errichtung der garage nahezu ohne aushub möglich. eine natürliche belichtung und belüftung sind möglich. die erforderliche stellplatzanzahl (123 pkw) in der eingeschoßigen garage wird durch verschiebepaletten (12 pkw) erreicht.

ökologie

das projekt thematisiert das konzept der sanften ökologie:
das sockelgebäude und die reihenhäuser erreichen grundsätzlich die qualität eines niedrigenergiehauses
die veranden der wohnungen erlauben die passive sonnenenergienutzung. neben der energetischen optimierung können die veranden fast das ganze jahr genutzt werden. fensteranordnung und –größen sind hinsichtlich der himmelsrichtungen energieoptimiert.
die gründächer und dachgärten haben eine größere flächenausdehnung als die bebaute fläche.
die verbleibenden dachwässer werden in einem retentionsbecken zurückgehalten. die einem feuchtbiotop entsprechende bepflanzung und ein teich ergeben einen auch sichtbaren ökologischen mehrwert.

maßnahmen der haustechnik:

- kontrollierte wohnraumlüftung
- sparsamer umgang mit trinkwasser
(eine brauchwassernutzung durch die notwendige tiefe der brunnen (80m) erscheint ökonomisch nicht vertretbar)
maßnahmen des ressourcenschonenden bauens:
- hebung des geländes; dadurch kaum nennenswerter aushub, egalisierung der problematik des möglicherweise vorhandenen kontaminierten materials
- keine verkehrs- und emissionsbelastung durch minimierten materialtransport.
- minimierte baumaterialverwendung durch optimierte fertigteile und entsprechend reduziertem primärenergieverbrauch.
minimierung des energieverbrauchs infolge qualifizierter nutzerinformation durch den contractor
erschliessung / kommunikation
die haupterschließung – vertikal – erfolgt im zentrum des gebäudes. das räumlich großzügig formulierte stiegenhaus bildet zugleich den fokus der wege im gebäude und versteht sich neben den breiten laubengängen als primäres kommunikationsforum der bewohner. hier sind die wesentlichen gemeinschafts-, informations- und dienstleistungsbereiche angeordnet: servicestation, internet.treff, arbeitsräume, wintergarten, „hängende gärten“. die laubengänge sind so geräumig angelegt, daß sie ausreichend platz zum verweilen und gespräch mit den nachbarn bieten. sie bilden die schnittstelle zwischen dem halböffentlichen erschließungsbereich und dem extrovertierten teil der wohnung: dem arbeitsbereich.

gemeinschaftsräume „wintergarten“ „saal“

um eine gemeinschaft sowie selbstorganisation zu ermöglichen ist es notwendig, räume für die gemeinschaftsbildung zur verfügung zu stellen. die erfahrung zeigt, daß in siedlungen mit einem hohen maß an identifikation und gemeinschaft, konflikte im täglichen miteinander besser bewältigt werden und daß das „sich-zu- hause-fühlen“ stärker ausgeprägt ist. unter diesem aspekt scheint es uns wichtig, erstens möglichkeiten der gemeinschaftsausbildung aufzugreifen und zweitens, den bewohnern die möglichkeit zu geben, ihr wohnumfeld mitzugestalten. das instrumentarium der mitbestimmung bei sämtlichen gemeinschaftsräumen ist ein taugliches mittel um beides zu erreichen. die gemeinschaftsräume werden an den hauptwegen an den übergängen zu den grünräumen angeordnet, der saal im eg, im süden, mit blick auf die wiener hausberge, der wintergarten im „luftgeschoß“ inmitten des dachgartens der „hängenden gärten“. der wintergarten fungiert als aufenthaltsraum für die bewohner und als winterplatz für die topfpflanzen des luftgeschoßes. aussenraum erdgeschoss
die erdgeschoßzone integriert durch ihre offenheit die landschaft in das geländeinnere. landschaftliche anbindung und sichtbeziehungen sind hergestellt. den wohnungen an der west- und an der ostseite sind mietergärten vorgeschaltet, die an den außenkanten von obstbaumreihen begleitet werden.

„waldstück“

die bepflanzung der höfe stellt die idee der transformation eines stücks natur in ein urbanes umfeld dar. die lichten kronen der eschen und birken schaffen distanz zwischen den fassaden und evozieren ein „bild vom wald“.

luftgeschoss und „hängende gärten“

die idee des projekts ist es, einen zentralen grünraum im gebäude anzulegen, der die unterschiedlichen strukturen – geschoßwohnungen und reihenhäuser – verbindet. im gesamten 4. obergeschoß wird ein dachgarten angelegt. von hier hat man einen großartigen ausblick in das südliche wiener becken.
im sommer stehen die zonen unter den reihenhäusern als schattenspender zur verfügung. offene und überdachte bereiche erzeugen vielfältige lichtsituationen. dieses luftgeschoß eröffnet zahlreiche aktivitätszonen und nutzungsmöglichkeiten. abgehoben und geschützt zugleich können hier die bewohnerinnen ihre freizeit verbringen, allein, mit freunden und nachbarn aus dem haus. unterschiedliche „raum“-angebote durch flexible raumteiler, pflanzen, etc. ermöglichen rückzug, aktivität und kommunikation gleichermaßen.
einigen „platzbereichen“ unter den reihenhäusern wird eine charakteristische funktion zugeordnet. (z.b. kinderspielplatz, sonnendeck, tischtennis, gymnastik, etc.)

„hängende gärten“

charakterisieren das bepflanzungskonzept und sollen von den bewohnerinnen in pflege genommen werden. kletter- und rankgewächse wirken raumbildend ebenso wie kleinbäume und sträucher.
unterschiedliche pflanzengruppen definieren einzelne bereiche wie z.b. rosengarten, kräutergarten, bambushain, hügelbeet, spielwiese, etc. je stärker sich die bewohnerinnen mit ihrem freibereich identifizieren und an pflege und erhaltung partizipieren, desto phantasievoller und schöner werden sich die „hängenden gärten“ entwickeln.
eigengärten für die erdgeschoßbewohnerinnen, veranden in allen obergeschoßen und optionale dachgärten für die reihenhäuser als individuelle „grüne zimmer“ ergänzen das freiraumangebot.

parasitäre architektur

die bereiche unter den reihenhäusern stellen ein potential als aneignungsräume für die bewohner dar. ein teil dieser flächen bietet eine nutzflächenreserve für einen möglichen späteren teilweisen ausbau auf initiative der nutzer.

besondere wohnkonzepte

wohnen und arbeiten

hatte noch eine dogmatisch erstarrte moderne dem segregationsprinzip gehuldigt, also die trennung von wohnen und arbeiten gefordert und damit ein haus lediglich eine private regenerationsfunktion zugewiesen, so ist, dank modernen kommunikationstechniken arbeit heute vielfach nicht mehr ortsgebunden. gerade in kreativen berufen beginnt sich heimarbeit durchzusetzen. damit gelangt die einstige ideologie von „my home is my castle“ an ihr ende; wo der wohnort zum gravitationszentrum des lebens avanciert, muß er auch öffentliche funktionen übernehmen. privatheit ist damit nicht mehr alleiniges ziel der bewohner.
wenn arbeit und freizeit verschmelzen, müssen auch die bisherigen wohnungsgrundrisse überdacht werden, um die komplexen anforderungen zu erfüllen. jede wohneinheit verfügt daher über einen zusätzlichen neutralen bereich, der als arbeitsraum genutzt werden kann. angeordnet werden diese arbeitsräume an der schnittstelle zum halböffentlichen laubengang, wodurch die urbane qualität der informationsnetze betont wird.
zusätzlich sind an die erschließungszone in den sockelgeschoßen arbeitsräume angedockt, deren raumkonfiguration flexible raumgrößen erlaubt und von den bewohnern gemietet werden können.

mehrgenerationenwohnen

die zusammenschaltbarkeit von wohnungen ermöglicht das mehrgenerationenwohnen bzw. wohnfläche nach bedarf und lebenszyklen. in jedem sockelgeschoß ist eine a-wohnung vorgesehen, die an die beiden nachbarwohnungen über die erschließungszone angebunden werden kann.
reihenhäuser: die idee der mehrgenerationenfamilie oder wohngemeinschaft wird hier weitergeführt. es besteht die möglichkeit der zusammenlegung von 2-geschoßigen reihenhäusern mit angrenzenden b- und a-typen.

nutzermitbestimmung

moderierte und koordinierte nutzerpartizipation ermöglichen dem nutzer während der planungsphase größtmögliche mitbestimmung bei materialauswahl (ausstattungspakete) und grundrißgestaltung.

service statt verwaltung

keine hausbesorger, sondern „buwog – eigenes service – team“. konkret werden reinigung, wartung und aufsicht künftig als separate bereiche geführt. für die mieter stehen zentrale ansprechpartner zur verfügung, das gesamte betreuungsteam ist per handy erreichbar. dadurch wird neben den reinigungskräften extrapersonal für die wartung der grünflächen und außenanlagen sowie die schneeräumung zuständig sein. die aufsicht und koordination obliegt einem anlagebetreuer. dieser ist nicht nur anlaufstelle für die mieter, sondern übernimmt auch kleinere reparaturen im haus. mit dem neuen konzept werden die kosten um 30 prozent gesenkt, die zur gänze an die mieter weitergegeben werden.
vorgesehen ist auch die etablierung einer tauschbörse von gegenständen und dienstleistungen, die die bewohnerinnen miteinander in verbindung bringt, sowie eines „auto-teilen“-stützpunktes, der individuelle mobilitäts- und transportbedürfnisse mit einem angebot aus drei oder vier verschiedenen fahrzeugtypen befriedigt und die "mehrfahrzeughaushalte"unnötig macht. gemeinsam mit dem contractor soll ein „internet.treff“ mit infoservice über verbrauch von wärme, strom, wasser etc. eingerichtet werden. gehobene ausstattung

sämtliche wohn- und schlafräume werden mit parkettbelägen ausgestattet. in den vor- und abstellräumen, küchen, bädern und wc’s kommen keramische beläge zur ausführung.
die fenster werden als kombinierte holz- und aluminiumkonstruktion ausgeführt, die oberfläche der aluteile pulverbeschichtet, holzteile aus weichholz, fichte mit lasierendem oder deckendem anstrich.
(orignaltext bauträgerwettbewerb 1999 – auch für umgesetztes projekt gültig)